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Horror-Jagden im Harz: Insider packt aus – was hier abgehen soll, macht fassungslos

Im Harz sollen bei Jagden schwerwiegende Verstöße gegen Tierschutz und Jagdethik stattfinden. Die Vorwürfe wiegen schwer.

© PantherMedia / Michaela Moritz

Das ist der Harz

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Die Wälder im Harz sind Rückzugsorte für Wildtiere, Erholungsgebiete für Menschen und Arbeitsorte für Forstleute. Seit jeher gehört die Jagd zum Alltag in den Landesforsten. Besonders im Winter führen die Forstämter großangelegte Drückjagden durch. Ziel ist es, die Wildbestände zu regulieren und Schäden am jungen Waldbestand zu minimieren.

Doch die Jagdpraxis steht auch immer wieder in der Kritik. Der Einsatz von Hunden, das Timing der Jagden und der Umgang mit Muttertieren werfen ethische Fragen auf. Nun hat ein Insider mit einem offenen Brief ausgepackt. Der Verfasser scheint ein Mitarbeiter der Niedersächsischen Landesforsten zu sein und spricht von angeblichen Zuständen im Harz, die kaum vorstellbar erscheinen.

Jagd im Harz: Tradition mit Schattenseiten

In einem Schreiben, das dem „Harz Kurier“ vorliegt und das inzwischen auch vom Verein Wildtierschutz e.V. komplett online gestellt wurde, erhebt ein Mitarbeiter aus dem Forstamt Bad Lauterberg – selbst Jäger – schwere Vorwürfe. So schreibt er: „Dass ein Muttertier mit dem ungeborenen Kalb erlegt wird, ist rein rechtlich erstmal nicht strafbar. Schlimmer ist die Tatsache, dass es bei fast jeder Drückjagd zu Verstößen gegen den Muttertierschutz kommt, da einzeln vor die Büchse kommende Alttiere von den Forstamtsleitern explizit zum Abschuss freigegeben werden, auch wenn das dazugehörige Kalb noch lebt, aber zum Beispiel durch Hunde oder Treiber vom Muttertier getrennt wurde.“

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Der Insider erklärt, dass regelmäßig mehr Alttiere als Kälber erlegt werden sollen. Die zurückbleibenden Jungtiere hätten demnach kaum Überlebenschancen. „Die übrig gebliebenen Kälber verhungern meistens über den Winter oder werden von Luchs und Wolf gefressen, wenn sie panisch und verzweifelt ihre getötete Mutter suchen“, behauptet er in seinem Schreiben.

Harz: Schlimme Zustände bei der Jagd

Jagden im Harz fänden angeblich auch bei extremer Schneelast statt, obwohl Wildtiere dann im Ruhemodus seien. „Diese großangelegten Drückjagden werden bis Ende Januar in großer Zahl überall im Harz durchgeführt und das sogar noch bei sehr hohen Schneelagen“, heißt es in dem Schreiben. Der Insider spricht von bis zu 30 Zentimeter Schnee. Dann sei das Wild deutlich langsamer und einfacher zu treffen.

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Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Einsatz von Jagdhunden. Diese seien seiner Aussage nach oft nicht kontrollierbar und jagten eigenständig. Er schreibt: „Bei Drückjagden haben Hundeführer fast ausnahmslos keine Kontrolle über ihre Hunde. Die hetzen, verletzen und töten gesunde Rehe, Hirsche oder eben auch Frischlinge.“

Besonders drastisch schildert der Insider ein Ereignis, das im Januar stattgefunden haben soll: Es sollen drei bis vier Tage alte Wildschweine getötet oder von Hunden gefressen worden sein. „In den folgenden Tagen sind die übrig gebliebenen Frischlinge erfroren, weil ihre Mütter in der Wildkammer hingen und sie nicht wärmen und säugen konnten.“

Vorwürfe zurückgewiesen

Die Niedersächsischen Landesforsten haben sich auf Nachfrage des „Harz Kurier“ zu den anonym erhobenen Vorwürfen geäußert. „Diese stellen sich – nach eingehender Prüfung, die die Schwere der Vorwürfe geboten hat – sämtlich entweder als unwahr oder als eine unzutreffende Verallgemeinerung dar“, heißt es von offizieller Seite.

Wie andere Forstbetriebe beschäftige man regulär Berufsjäger, die im Jagdbetrieb eingebunden seien. Auf Antrag, der von den Landkreisen Göttingen und Goslar genehmigt wurde, sei die Nachtjagd auf Rotwild auf begrenzten Flächen erlaubt worden. Ziel sei es, junge Kulturen vor Wildschäden zu schützen.


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Ungeachtet dieser langfristigen Ziele berichtet der Insider von innerbetrieblichen Konflikten. Förster, die Missstände ansprechen, würden unter Druck gesetzt, Reviere verlieren oder von Jagden ausgeschlossen. Berufsjäger nähmen dann deren Platz ein. „Dieser nimmt keine Rücksicht auf die Tiere, will jede sich bietende Schusschance nutzen“, heißt es im Schreiben. Fehlschüsse seien die Folge.